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El Cimarrón

30.08.2009

Hans Werner Henze
El Cimarrón
(1969-1979)

Rezital für vier Musiker

Ensemble Quillo
Hubert Wild > Bariton
Ursula Weiler > Flöten
Daniel Göritz > Gitarre
Dominic Oelze > Schlagzeug
El Cimarrón „Über den Menschen sind die Götter. Ich weiß, dass sie fliegen können. Alles, wozu sie Lust haben, bringen sie fertig durch Zauberei. Warum haben sie nichts gegen die Sklaverei getan?“ In einem Altenheim in Kuba erzählt der 104-jährige ehemalige entlaufene Sklave Esteban Montejo dem Anfang zwanzigjährigen Ethnologen Miguel Barnet seine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Barnet wurde 1963 durch eine Zeitungsnotiz auf ihn aufmerksam. Die Lebensgeschichte entlaufener Sklaven mussten bis dahin in das Reich der Legenden verwiesen werden. Niemand kannte sie, ohne jeglichen Kontakt zu anderen Menschen überlebten sie in den Wäldern. Auf Kuba wurden diese entlaufenen Sklaven als „Cimarrón“ bezeichnet. Mit Hans Magnus Enzensberger als Librettisten schuf Henze wenige Jahre nach den Aufzeichnungen Miguel Barnets seinen „El Cimarrón“ für einen Bariton und drei Instrumentalisten. Bei „El Cimarrón“ handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht streng um eine Oper von Hans Werner Henze, sondern um ein Konzertstück mit szenischer Aktion. Es entstand dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Bariton William Pearson, dem Flötisten Karl Heinz Zöller, dem Perkussionisten Stomu Yamashta und dem Gitarristen Leo Brouwer. Gemeinsam erarbeiteten sich Hans Werner Henze und die vier Musiker die autobiographischen Erzählungen der realen Erlebnisse des entlaufenen Sklaven Esteban Montejo. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein musikalisches Dokument persönlicher Erlebnisse, die das Grauen der Sklaverei eindrücklich schildert und nicht vergessen lässt. Ohne Frage eine starke und sehr persönliche Geschichte. Die Entstehung des Werkes erfolgte wohl größtenteils über den Weg der Improvisation der vier Musiker und dem Komponisten. Ausgangspunkt und Basis bildete der Bericht Estebans. Die improvisierten Aktionen notierte sich Henze und ließ sie in die endgültige Partitur einfließen. Dieser improvisierende Charakter der damaligen Zusammenkunft lässt sich auch heute noch im Werk erkennen und übt seine Faszination innerhalb seines musikalischen Ablaufs aus. El Cimarrón ist kein Werk für einen Solisten und drei Begleitstimmen, sondern Ausdruck und Aussage vier gleichberechtigter musikalischer Partner. Die Behandlung der solistischen Stimme verkörpert eher einen lautmalerischen Erzählstil und keine Gesangsstimme im tradierten Sinne. Die Darstellung der Skala menschlicher Emotionen erreicht Henze über Sprechgesang, Flüstern, Schreien oder Lachen. Formal unterteilt sich „El Cimarrón“ in fünfzehn betitelte Nummern, die sich unterschiedlichen Themen aus dem Leben Estebans widmen: Die Welt, Der Cimarrón, Die Sklaverei, Die Flucht, Der Wald, Die Geister, Die falsche Freiheit, Die Frauen, Die Maschinen, Die Pfarrer, Der Aufstand, Die Schlacht von Mal Tiempo, Der schlechte Sieg, Die Freundlichkeit und Das Messer. Dabei entwickelt Henze große Spannungsbögen, die über Momente der Stille und der Einsamkeit im Wald bis hin zu heftigen Aktionen reichen. Die Partitur ist stets als Subtext der Handlung zu begreifen. Im Raum verschiedentlich aufgestellt sind die Instrumente. Damit verknüpft sich auch der jeweilige Ort der Aktion und die eigentlichen Handlung. So muss der Perkussionist stets zwischen seinen Instrumenten im Raum wechseln. Der Aktionismus der notierten Partitur übersetzt sich dabei in die Ebene des Raums. Seine stetige Interaktion und Improvisation bilden das Gerüst von „El Cimarrón“. Mit Hilfe von Requisiten, Videos und Projektionen setzt die Regie in einer weiteren künstlerischen Ebene die Geschehnisse aus dem Leben Estebans um.

 

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Der Tribun

von Mauricio Kagel
(24.Dezember 1931 – 18.September 2008)

 

für einen politischen Redner,
Marschklänge und Lautsprecher
Der Tribun > Roland Resch

Ensemble Quillo:
Ursula Weiler > Flöte;
Carsten Schlottke > Oboe;
Alexander Glücksmann > Klarinette;
Lutz Jonas > Horn;
Daniel Ploeger > Posaune;
Robin Hayward > Tuba;
Dominic Oelze, Nabor Müller > Schlagzeug

 

Der erste Mann im Staate übt eine politische Rede an die Bevölkerung seines Staates. Demagogie, Volksverführung, Rhetorik, Egomanie und ein zwanghafter Wille zur Macht treiben ihn in sprachliche Exzesse, die jedem Zuhörer bekannt zu sein scheinen. Alle historischen Konkretisierungen in Wort und Ton sind vom Komponisten aber bewusst vermieden worden. Dieses Stück könnte im alten Rom, in Santiago, in Berlin, Moskau, Seoul oder sonst wo spielen – gemeint ist der Typus des politischen Verführers.
„Ich habe nun zu diesem Monolog Marschmusik geschrieben, obwohl ich geistig kaum in der Lage bin, solche mit Appetit zu komponieren. (Kann man Genuß an einem Genre haben, dessen auslösender Effekt nur als zweifelhaft bezeichnet werden kann?) Im Grunde wünsche ich mir keine Marschmusik, die dazu dienen könnte, einen Sieg zu erringen.“> Mauricio Kagel 1980 erhielt Mauricio Kagel den Hörspielpreis der Kriegsblinden für dieses Werk.
Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg

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Pierrot lunaire

11.12.2009
von Arnold Schönberg
(1874 – 1951)

für eine Sprechstimme
und fünf Instrumentalisten

Rezitation > Salome Kammer

Ensemble Quillo:
Ursula Weiler > Flöte;
Alexander Glücksmann > Klarinette;
Anna Theresa Steckel > Geige;
Daniel Schmitt > Bratsche;
Julian Steckel > Violoncello;
Holger Groschopp > Klavier

Der „Pierrot lunaire“ von Arnold Schönberg (1874-1951) gehört zu den bedeutendsten
musikalischen Werken des 20. Jahrhunderts. Die Uraufführung im Oktober 1912 in Berlin
wurde zu einem der größten Erfolge des Komponisten.
Schönberg vertonte 21 Gedichte des belgischen Dichters Albert Giraud in der deutschen
Übertragung von Otto Erich Hartleben als Miniaturen für Sprechstimme und fünf
Instrumentalisten, die aphoristisch kurz und voller durchsichtiger Klangfarben sind.
Entstanden ist ein außergewöhnliches Klanggemälde, das zwischen Ironie und tiefem Ernst,
zwischen Hysterie und Melancholie oszilliert.
Im Mittelpunkt der symbolistischen Gedichte von Albert Giraud steht in vielen rätselhaften
Bildern der mondsüchtige Narr Pierrot, der sich gegen das mechanistisch-logische Denken
seiner Zeit zur Wehr setzt. – Der Mond hat seine romantischen Eigenschaften verloren. Er
macht zwar weiterhin trunken, aber trunken zum Tode. Sein Licht ist bleich und lässt die
Welt kühl erscheinen, er klingt kristallen und macht die Schatten zu «finstren, schwarzen
Riesenfaltern».
Als eine Winterreise des 20. Jahrhunderts bleibt «Pierrot Lunaire» eines der faszinierendsten Klangexperimente zu Beginn der Neuen Musik.

Das Stück
In Albert Girauds symbolistischen Gedichten voller rätselhafter Bilder hat der Mond seine romantischen Eigenschaften verloren. Er macht zwar weiterhin trunken, aber trunken zum Tode. Sein Licht ist bleich und lässt die Welt kühl erscheinen, er klingt kristallen und macht die Schatten zu «finstren, schwarzen Riesenfaltern». Schönbergs 21 Miniaturen für Sprechstimme und fünf Instrumentalisten sind aphoristisch kurz und voller durchsichtiger Klangfarben. Als eigentliche Winterreise des 20. Jahrhunderts bleibt «Pierrot Lunaire» eines der faszinierendsten Klangexperimente zu Beginn der Neuen Musik.

Gefördert durch das
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg

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